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Mit Noah durch die Corona-Krise

Zum 4. Sonn­tag der Oster­zeit 2020

Lie­be Pfarr­an­ge­hö­ri­ge, lie­be Schwes­tern und Brüder!

zu Beginn der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen vor rund sechs Wochen habe ich ein Fami­li­en­ge­bet zusam­men­ge­stellt, in des­sen Mit­tel­punkt die bekann­te bibli­sche Geschich­te von Noah (Gen 6 ff.) stand. Die Situa­ti­on von Noah und sei­ner Fami­lie, die auf der Arche zusam­men mit den vie­len Tie­ren fest­sa­ßen, erin­ner­te mich stark an das, was uns damals so bevor­stand. Was ich bei der Erstel­lung des Gebe­tes ver­schwie­gen habe, war, dass die­se dort über ein Jahr lang auf­ein­an­der hock­ten. Zum einen habe ich die­ses Detail der Geschich­te unter­schla­gen, weil ich nie­man­den ver­un­si­chern woll­te, und zum ande­ren, weil ich damals der (nai­ven) Ansicht war, dass unser Aus­nah­me­zu­stand bis Ostern wie­der vor­bei sein wür­de. Nun wird immer kla­rer, dass das Coro­na-Virus uns alle noch min­des­tens ein Jahr lang beschäf­ti­gen wird, auch wenn es nach und nach Locke­run­gen im Umgang mit­ein­an­der geben soll. Umso mehr gewinnt die Erzäh­lung von Noah und sei­ner Fami­lie an Bedeu­tung auch für die­se Coro­na-Zeit. Ich fra­ge mich, was hat Noah und sei­nen Lie­ben wohl Kraft gege­ben auf ihrer Fahrt in eine unge­wis­se Zukunft und was kön­nen wir dar­aus lernen.

Zunächst ein­mal wäre da die Acht­sam­keit auf ein­an­der und die Sor­ge für ein­an­der zu nen­nen. Das erle­ben auch wir, dass in sol­chen Zei­ten leicht Span­nun­gen im Mit­ein­an­der ent­ste­hen kön­nen. Umso wich­ti­ger ist es, immer wie­der auf­ein­an­der zu zuge­hen und so man­ches ein­fach auch zu ertra­gen. Doch die Sor­ge beschränk­te sich bei Noah nicht auf den Fami­li­en­kreis. Sie küm­mer­ten sich um die Tie­re, die mit an Bord waren. Für uns kann das hei­ßen, auch über unse­re eige­nen vier Wän­de hin­aus zu schau­en und Kon­takt zu hal­ten mit ande­ren Fami­li­en­mit­glie­dern, Freun­den oder Nach­barn und Hil­fe anzu­bie­ten. Oft reicht da auch schon ein gutes Wort.

Dann hat Noah und sei­ner Fami­lie sicher­lich auch das Wort Got­tes, dass er sie ret­ten will, Hoff­nung gege­ben. Sicher­lich gab es auf der Arche auch Zei­ten, an denen die­se Ver­hei­ßung ver­ges­sen wur­de und sich Ver­zweif­lung aus­brei­te­te. Doch am Ende stand Got­tes Bogen in den Wol­ken und wur­de zum Zei­chen dafür, dass Gott Noah treu geblie­ben ist. Den Regen­bo­gen für uns neu­tes­ta­ment­li­che Men­schen haben wir vor weni­gen Wochen mit dem Oster­fest gefei­ert. Das Licht der Auf­er­ste­hung hat in Erfül­lung gebracht, was mit Jesu Namen ver­hei­ßen wor­den ist: Gott ret­tet! Auch wenn die­ses Licht momen­tan nicht mehr als ein Hoff­nungs­schim­mer ist und Ostern heu­er nicht die gewohn­te Freu­de ver­brei­ten konn­te. Das Wort Got­tes steht, er will unse­re Rettung.

Zuletzt hat Noah und sei­ne Fami­lie auch der Zau­ber eines Neu­an­fangs getra­gen. Die Bibel erzählt, dass vor der Sint­flut, die Bos­heit des Men­schen immer mehr zuge­nom­men habe und dass alles Sin­nen und Trach­ten sei­nes Her­zens immer nur böse gewe­sen wäre. Die­se Zustän­de konn­ten sie nun hin­ter sich las­sen und eine neue Zivi­li­sa­ti­on unter ver­än­der­ten Vor­zei­chen auf­bau­en. Viel­leicht nut­zen auch wir Men­schen des 21. Jahr­hun­derts die­se Kri­se, wagen einen Neu­be­ginn und gehen alle gemein­sam in eine gerech­te­re, öko­lo­gi­sche­re und fried­li­che­re Zukunft?

Pas­to­ral­re­fe­rent Otto Penn