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Erstkommunion in Corona-Zeiten

„Von eurer Erstkommunion werdet ihr noch euren Enkeln erzählen: Wie ihr damals mit Mundschutz eingezogen seid, streng auf Abstand achtend. Wie sich der Pfarrer vor dem Verteilen des Leibchristi die Hände desinfiziert hat. Wie nur wenige Verwandte haben mitfeiern dürfen…“ Das sage ich immer den Erstkommunionkindern, die in diesen Wochen in unserem Pfarrverband zum ersten Mal die Heilige Kommunion empfangen.

Und eure Enkel wer­den euch dann fra­gen: Oma/​Opa, was ist das – Erst­kom­mu­ni­on?“ Das sage ich dann natür­lich nicht. Es wür­de die schö­ne Stim­mung kaputt machen. Den­noch erscheint mir der Gedan­ke nicht ganz abwe­gig zu sein ange­sichts der stei­gen­den Zahl der Kir­chen­aus­trit­te, die in der letz­ten Woche wie­der durch die Pres­se ging. Es scheint längst nicht mehr selbst­ver­ständ­lich, dass der christ­li­che Glau­be an die nächs­ten Genera­tio­nen wei­ter­ge­ge­ben wird.

Groß ist das kirch­li­che Weh­kla­gen ange­sichts die­ser ver­hee­ren­den Zah­len. Groß ist die Rat­lo­sig­keit, wie man die­sem Trend begeg­nen soll. Dabei kön­nen die Kir­chen­aus­trit­te kein biss­chen über­ra­schen, wenn man mit offe­nen Augen in die Pfarr­ge­mein­den blickt oder sich mit Jugend­li­chen oder jun­gen Erwach­se­nen über den Glau­ben zu unter­hal­ten ver­sucht. Die nack­ten Zah­len bele­gen die­sen Trend schon lan­ge: In einer Umfra­ge von 2018 gaben 17 Pro­zent der Katho­li­ken an, dass sie sich weder der Kir­che ver­bun­den füh­len noch den christ­li­chen Glau­ben tei­len. Da muss man sich doch fra­gen, war­um die­se Schwes­tern und Brü­der über­haupt noch in der Kir­che sind und die Aus­tritts­zah­len nur beim einem Pro­zent lie­gen. In der Gesamt­ge­sell­schaft sieht es nicht anders aus: Nur 30 Pro­zent der Deut­schen inter­es­sie­ren sich über­haupt für reli­giö­se The­men und nur 3 Pro­zent der Kon­fes­si­ons­lo­sen bezeich­nen sich als reli­gi­ös suchend.

Was also tun? Zunächst ein­mal gelas­sen blei­ben und auf Gott ver­trau­en. Dies schützt davor, bit­ter zu wer­den und in ein Gute Kir­che-Böse Welt-Sche­ma zu ver­fal­len. Wer an Gott glaubt, weiß, dass er der Herr der Schöp­fung ist und bleibt und jeden Men­schen zum Heil füh­ren will. Ein Blick in die Bibel und in die Kir­chen­ge­schich­te zeigt, dass gera­de Zei­ten des Nie­der­gangs von Struk­tu­ren zu Hoch­zei­ten des Glau­bens gewor­den sind. Man den­ke nur an das Baby­lo­ni­sche Exil oder die Säku­la­ri­sa­ti­on im 19. Jahrhundert.Mit die­sem Gott­ver­trau­en kön­nen die Gläu­bi­gen das sein, was der (fast) ver­ges­se­ne Pas­sau­er Pas­to­ral­plan, der heu­er sein 20-jäh­ri­ges Jubi­lä­um fei­ert, so wun­der­bar for­mu­liert hat: Gott und den Men­schen nahe. Noch mehr als damals ist aber in den letz­ten Jah­ren klar gewor­den, dass ange­sichts schwin­den­den kirch­li­chen Per­so­nals und grö­ßer wer­den­den Pfarr­ver­bän­den jede ein­zel­ne Chris­tin und jeder ein­zel­ne Christ gefragt sein wird, jedem Rede und Ant­wort zu ste­hen, der von euch Rechen­schaft for­dert über die Hoff­nung, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)

Vie­ler­orts sind bereits ers­te Früch­te die­ses neu­en Den­kens sicht­bar. Es ent­ste­hen Gebets­in­itia­ti­ven und Bibel­grup­pen, Frau­en und Män­ner über­neh­men Ver­ant­wor­tung in der Vor­be­rei­tung auf die Sakra­men­te oder orga­ni­sie­ren Besuchs­diens­te und Fami­li­en ent­de­cken in Coro­na-Zei­ten, dass sie Haus­kir­che sind und fei­ern sel­ber Got­tes­diens­te. So kann es gelin­gen, dass auch in vier­zig Jah­ren die Kin­der noch sagen: Mei­ne Erst­kom­mu­ni­on war ein wun­der­vol­les Fest!“

Pas­to­ral­re­fe­rent Otto Penn (Gedan­ken zum Sonn­tag, Vils­ho­fe­ner Anzei­ger vom 11.07.2020)