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Beten, Denken, Widerstand!

Ich schät­ze die­sen Men­schen sehr. Aber in den letz­ten Wochen tau­chen auf sei­ner Face­book­sei­te Inhal­te auf, bei denen sich mir der Magen umdreht. Da wird mun­ter vor dem Mas­ken­tra­gen gewarnt, es wer­den dubio­se Coro­na-Exper­ten zitiert und Poli­ti­ker schlecht­ge­macht. Und ich blei­be erstaunt zurück und den­ke mir: Das hät­te ich nicht von dir gedacht!

Zuletzt habe ich Ähn­li­ches 2015 wäh­rend der soge­nann­ten Flücht­lings­kri­se erlebt. Da ent­pupp­ten sich doch glatt eini­ge mei­ner Face­book-Freun­de“ als wasch­ech­te Ras­sis­ten. Wei­ter ging’s dann mit Fri­days for future, wo die arme Gre­ta Thun­berg übels­ten Spott über sich erge­hen las­sen muss­te. Und dazwi­schen gab es natür­lich immer wie­der das all­seits belieb­te Mer­kel-Bashing. Da bewahr­hei­ten sich Erwin Pel­zigs Wor­te, die ich schon vor fast 20 Jah­ren in einem sei­ner Pro­gram­me gehört habe: Noch nie­mals zuvor in der Mensch­heits­ge­schich­te konn­ten so vie­le Idio­ten so viel Unsinn so schnell so weit ver­brei­ten. Idio­ten hat’s zwar schon immer gege­ben in der Mensch­heits­ge­schich­te. Aber die wuss­ten wenigs­tens nix voneinander.“ 

Zurück zu die­sem Men­schen, den ich sehr schät­ze. Ich fra­ge mich: War­um pos­tet der sol­chen Quatsch? Ist es Angst vor den gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen, die Coro­na aus­lö­sen wird? Ist es Miss­trau­en gegen­über den Insti­tu­tio­nen unse­res Lan­des, den Poli­ti­ker und Wis­sen­schaft­lern? Ist es gar Hass auf unser demo­kra­ti­sches System?

So weit wür­de ich bei die­sem Men­schen nicht gehen. Es ist wahr­schein­lich eine gewis­se Unsi­cher­heit ange­sichts unse­rer Lage und eine Unüber­legt­heit, wel­che Inhal­te da wei­ter­ver­brei­tet wer­den. Folgt man näm­lich die­sen Links, dann ver­lässt man sehr schnell das Reich der Ver­nunft und lan­det im Eso­te­rikdschun­gel, auf den Ver­schwö­rungs­in­seln oder in den brau­nen Sümp­fen. Dort fin­det man die Urhe­ber die­ser Fake-News. Ihnen geht es nur dar­um, die Mit­bür­ger zu ver­un­si­chern, Unru­he zu ver­brei­ten und Hass zu säen. Lei­der han­delt es sich dabei um kein harm­lo­ses Geplän­kel. Wenn die­sem Irr­sinn nicht Ein­halt gebo­ten wird, dann hat er das Poten­ti­al unser gesell­schaft­li­ches und poli­ti­sches Sys­tem, für das wir auf der gan­zen Welt benei­det wer­den und auf das wir wahr­haft stolz sein kön­nen, von innen her­aus wie ein Krebs­ge­schwür zu zer­set­zen. Das erkann­te schon Meis­ter Yoda vor lan­ger Zeit in einer weit, weit ent­fern­ten Gala­xis: Furcht ist der Pfad zur dunk­len Sei­te. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäg­li­chem Leid.”

Was also tun als auf­rech­ter Christ und Staats­bür­ger? Beten, Den­ken, Wider­stand leis­ten. Beten hilft dabei, ruhig und gelas­sen zu blei­ben, auch wenn um einen her­um das Cha­os aus­bricht. Das Gespräch mit Gott gibt einem die Gewiss­heit, dass er uns alle gut durch die­se Zeit füh­ren wird. Es ist auch gut für die Men­schen zu beten, die Angst haben, unsi­cher oder hass­erfüllt sind. Wo man sel­ber an sei­ne Gren­zen stößt, kann Gott manch­mal Umkehr bewirken. 

Er ist es auch, der uns den Ver­stand gege­ben hat. Dank ihm gibt es Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler, die immer mehr Fak­ten über das Virus sam­meln und die Ent­schei­dungs­trä­ger gut bera­ten kön­nen. Ent­ge­gen allen Unken­ru­fen aus den brau­nen Sümp­fen ist unser Land damit bis­her sehr gut durch die Kri­se gekom­men und wird sie auch glanz­voll meistern.

Die­se Erfol­ge dür­fen wir uns nicht kaputt­ma­chen las­sen von den Het­zern, die ihre wir­ren The­sen bei Kund­ge­bun­gen und im Inter­net unter das Volk brin­gen wol­len. Ich habe mir ange­wöhnt, wenn ich sol­chen Unsinn lese oder höre, dazwi­schen­zu­ge­hen, die Aus­sa­gen zu prü­fen und dann zu wider­le­gen. Das ist müh­sam und frus­trie­rend, vor allem bei Men­schen, die man eigent­lich sehr schätzt. Es ist aber lei­der unab­ding­bar. Wider­spricht man die­sen Leu­ten näm­lich nicht, dann füh­len sie sich bestä­tigt und ver­brei­ten die­sen Virus Hass“ wei­ter, der noch viel gefähr­li­cher ist als COVID 19.

Pas­to­ral­re­fe­rent Otto Penn (Vils­ho­fe­ner Anzei­ger, 10.10.2020)