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Baustelle Kirche

24. Sonntag i.J. (Lesejahr B)

Marktplatzsanierung Eging info-icon-20px Otto Penn
Im Rahmen der Marktplatzsanierung wurde vor der Eginger Pfarrkirche ein Geschäftshaus abgerissen.

In Eging am See wird groß gebaut. Bag­ger und Last­wä­gen lär­men durch den beschau­li­chen Markt. Häu­ser wer­den ab- und die Erde wird auf­ge­ris­sen. Das Orts­zen­trum wird neu gestal­tet. Und mit­ten­drin steht die Pfarr­kir­che St. Aegi­di­us. Wie ein Fels in der Bran­dung. Von all dem Trei­ben unbe­rührt. Möch­te man mei­nen. Doch dem ist nicht so. Wie sich beim Abriss des Geschäfts­hau­ses, das seit mehr als 100 Jah­ren die West­sei­te des Got­tes­hau­ses ver­deckt hat, zeig­te, muss sich auch die Kir­che den neu­en Bege­ben­hei­ten anpas­sen. Die Fas­sa­de muss reno­viert und neu gestal­tet wer­den. Über das Wie die­ser umfang­rei­chen Bau­maß­nah­me jedoch ent­span­nen sich hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen in der Gemeinde.

Da ergeht es der Pfarr­ge­mein­de Eging wie so vie­len ande­ren Pfarr­ge­mein­den, Gre­mi­en und Ver­bän­den in der Kir­che. Wo Men­schen zusam­men­kom­men, wird immer um den gemein­sa­men Weg gerun­gen wer­den. Auch der Syn­oda­le Weg der Katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land ist so ein Ver­such, das Ant­litz der Kir­che an die neue gesell­schaft­li­che Umge­bung anzu­pas­sen. Dass dabei manch­mal der Ton etwas rau­er wird, liegt in der Natur der Sache. Da kön­nen schon mal Ver­let­zun­gen ent­ste­hen, die ein wei­te­res Zusam­men­le­ben und Zusam­men­ar­bei­ten schwie­rig machen. Eine Pfar­rei oder die Kir­che bil­det dabei kei­ne Aus­nah­me. Es men­schelt halt auch in ihr all­zu sehr und sie wird bis zur Wie­der­kunft Chris­ti eine Bau­stel­le blei­ben. Wie Kon­flik­te aus­ge­tra­gen wer­den, soll aber anders aus­se­hen als in welt­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen.
Das Evan­ge­li­um die­ses Sonn­tags bie­tet dafür wert­vol­le Hil­fe. Es bil­det den Schluss der Gemein­de­re­gel, mit der Mat­thä­us ver­sucht, christ­li­che Ver­hal­tens­nor­men zu eta­blie­ren. Dis­kus­sio­nen und auch Streit waren näm­lich auch ihm aus sei­ner Hei­mat­ge­mein­de nur all­zu ver­traut. Da stan­den sich Juden- und Hei­den­chris­ten gegen­über, man muss­te sich von der Syn­ago­gen­ge­mein­de ablö­sen und die Gläu­bi­gen taten oft nicht den Wil­len des Vaters im Him­mel“ (Mt 7,21). Ganz bewusst plat­ziert Mat­thä­us das Gleich­nis vom unbarm­her­zi­gen Skla­ven als Höhe­punkt an den Schluss der Gemein­de­re­gel. In sei­nem Mit­tel­punkt steht näm­lich die wich­tigs­te Fra­ge, wenn es um das Zusam­men­le­ben von Men­schen geht. Sie wird von Petrus selbst an Jesus gestellt: Herr, wie oft muss ich mei­nem Bru­der ver­ge­ben, wenn er sich gegen mich ver­sün­digt?“ Die Ant­wort Jesu ist klar: Nicht sie­ben­mal, son­dern sie­ben­und­sieb­zig­mal.“ Sie­ben, die Zahl der Voll­kom­men­heit, stei­gert er noch ein­mal und lie­fert so ein Gegen­mo­dell zur prah­le­ri­schen Rede Lamechs (Gen 4,24): Wird Kain sie­ben­fach gerächt, dann Lamech sie­ben­und­sieb­zig­fach.“ Mit sei­nem Gebot der Ver­ge­bung gibt Jesus einen Weg vor, der aus dem Teu­fels­kreis der Ver­gel­tung in den Segen­s­kreis der Gna­de führt.
Damit ver­langt er aber Über­mensch­li­ches. Denn der ers­te Impuls im Men­schen geht immer in Rich­tung Ver­gel­tung. Christ­gläu­bi­ge jedoch kön­nen und sol­len anders han­deln, weil ihnen selbst über­rei­che Gna­de geschenkt wor­den ist, wie das Gleich­nis vom unbarm­her­zi­gen Skla­ven vor Augen führt. Ein Mensch, der sich von Gott frei­ge­kauft weiß und ihn mit gan­zem Her­zen liebt, muss folg­lich auch sei­ner Schwes­ter und sei­nem Bru­der von gan­zem Her­zen ver­ge­ben. Dar­an soll christ­li­ches Leben sicht­bar wer­den.
Mat­thä­us for­mu­liert in die­sem Evan­ge­li­um einen enorm hohen Anspruch an sei­ne Gemein­de und damit auch an uns, an dem man zwangs­läu­fig immer wie­der schei­tern wird. Nichts­des­to­trotz ist die Fähig­keit und der Wil­le zur Ver­ge­bung Grund­vor­aus­set­zung für das mensch­li­che Mit­ein­an­der im All­ge­mei­nen und das Leben der Kir­che und der Pfarr­ge­mein­de im Spe­zi­el­len. Es lohnt also, immer tie­fer in das Geheim­nis der Barm­her­zig­keit Got­tes ein­zu­tau­chen und so zu einem Men­schen zu wer­den, der aus gan­zem Her­zen ver­zei­hen kann. Das bleibt die gro­ße Bau­stel­le in mei­nem Leben.

Pas­to­ral­re­fe­rent Otto Penn (Pas­sau­er Bis­tums­blatt, 13.09.2020)